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Ein goldener Samstagnachmittag im Herbst – Besuch von meiner Nichte, 23 Lenze jung, aufgewachsen mit Videogames und stolze Besitzerin eines Smartphones seit sie vierzehn ist, natürlich immer die aktuellste Version.

 

In diesem Jahr planen wir erstmals gemeinsam das alljährliche Familientreffen zu Weihnachten. Während ich bereits mit aufgeschlagenem Notizbuch am Küchentisch sitze, kramt meine Nichte in ihrer Beuteltasche und zückt – zu meiner Verblüffung – nicht etwa ihr Smartphone, sondern ebenfalls ein Notizbuch bzw. „Bullet Journal“, wie sie mich korrigiert.

 

Notizbuch-Trends

 

„Ich war es einfach leid, mich nach der Struktur von Orga-Apps zu richten. Außerdem fühle ich mich besser dabei, meine ganzen Termine, To Dos und Notizen in meinem privaten Schatzkästlein zu sammeln. Das hilft mir, Ordnung zu halten und macht auch Spaß – schau mal ...“

 

Sie blättert vor meinen Augen vom handgeschriebenen Inhaltsverzeichnis über Jahres-, Monats-, Wochen- bis zu Tagesübersichten, gespickt mit Aufzählungspunkten, Spiegelstrichen, Kreisen, entweder markiert mit einem „X“ (erledigt) oder einem „>“ (verschoben), dazu gemalte Blümchen, ein paar eingeklebte Zettel und Bilder.

 

Innerlich muss ich grinsen. Schöne Abwechslung, von der Nichte mal keine Nachhilfe zu den neusten digitalen Features zu erhalten, sondern zu einem analogen Produkt, das seit Jahren wieder im Aufschwung ist und immer neue, kreative Varianten als Notizbuch-Trends hervorbringt.

 

Bullet Journal mit Fokus Flexibilität & Individualität

 

Die Idee und erste Gestaltung eines Notizbuches als Bullet Journals stammt von Ryder Carroll, einem New Yorker Designer. Seine Motivation: Keines der gängigen Planungstools erfüllte seine

 

 

Ansprüche an Individualität und Flexibilität.

 

Weitere Einflussfaktoren für die Kreation des analogen Werkzeuges: Konzentrations- und Lernschwächen in der Kindheit.

 

Wie mittlerweile zahlreiche wissenschaftliche Studien unterstreichen, fördert der Einsatz haptischer Objekte den Verständ-nis- und Lernprozess, insbesondere auch bei abstrakten Sachverhalten.

 

Ebenso belegt die Forschung, dass Handschrift dem Tippen auf einer Tastatur überlegen ist, u.a. weil sie die Lernfähigkeit erhöht, zu höherer Konzentration führt und auch die Kreativität beflügelt.

 

Leere Seiten mit Pünktchen

 

Bevor sich das Bullet Journal in ein individuelles Orga-Tool verwandelt, präsentiert es sich in Gestalt von Notizbüchern mit leeren, durchnummerierten Seiten, in der Ursprungsversion gerastert mit den Namen gebenden zarten Bullets, die an klassische Aufzählungspunkte erinnern.

 

Um Struktur und Übersicht zu schaffen, werden zu Beginn ein paar einfache Spielregeln umgesetzt: Die erste Doppelseite ist für den Index reserviert, die nächsten für diverse Kalenderein-heiten vom ganzen Jahr bis zu Tagen – die Seitenumfänge richten sich nach den Bedürfnissen des Nutzers.

 

Zur typischen Zeichensprache der Bullet Journals zählen Aufzählungspunkte für Aufgaben, Spiegelstriche leiten Notizen ein, Kreise markieren Termine. Erledigte To Dos bekommen ein „X“, nicht erfüllte Aufgaben werden mit einem „>“ verlegt.

 

Die weitere Gestaltung bleibt komplett dem Nutzer überlassen: ob sachlich-kühl oder verspielt und bunt, ausgefallen oder konventionell.

 

Bullet Journal, ein
Trendprodukt mit Zuwachsraten

 

Individuelle Bullet Journals bleiben angesagt, denn Ebbe nach

dem Aufschwung ist nicht in Sicht. Insbesondere junge Zielgruppen verbreiten den Trend auch in der digitalen Welt. In den Social Media-Kanälen wimmelt es von Gebrauchsanleitungen, Tipps und Beispielen.

 

Selbst Carroll ist erstaunt, wie sehr er den Nerv der Leute getroffen hat: „Ich bin immer noch überrascht, jeden Tag.“

 

Mit Blick auf den Verkauf fühlen sich insbesondere die Altersgruppen zwischen 15 und 35 angesprochen, unabhängig vom Geschlecht. Allerdings scheinen Mädels und Frauen auch online lieber ihrer Begeisterung Ausdruck zu verleihen.

 

Bullet Journal als Must-have?

 

Die Antwort ist ein klares Ja! Schon weil ich – wie so viele – die Forschungsergebnisse aus eigener Erfahrung bestätigen kann, aber auch weil die Durchtechnisierung des Alltags nicht wirklich zum Entstressen beiträgt.

 

Jeder Rückzugsort ist herzlich willkommen! Lieber in Ruhe und konzentriert planen – das ist nicht nur effektiver und bewahrt den Überblick, sondern spendiert auch kreativen Flow und das schöne Gefühl, alles in eigener Hand zu haben.

 

Auf die Pünktchen kann ich verzichten, blanko gefällt mir am besten. Aber das ist auch kein Problem.  Spezialisten für Notizbücher  bieten alle Versionen – Papier mit Linien und Karos, Pünktchen oder eben unbedruckt.

 

Wichtig ist allerdings, dass es sich um nachhaltig produziertes Papier handelt, am besten vom Einband bis zum Innenleben.

 

„Sehe ich auch so!“ Meine Nichte schenkt mir ein breites Lächeln. „Grün ist für uns doch nicht irgendein Trend, sondern entscheidend für unsere Zukunft ...“

 

 

Autor: Richard Kastner

 

 

 

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