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Der britische Reiseschriftsteller Bruce Chatwin (1940- 1989) brachte es in einem seiner letzten Werke, dem Tagebuch-Roman "Traumpfade" von 1987, lakonisch auf den Punkt:

 

"Einen Pass zu verlieren war das geringste aller Übel - ein Notizbuch zu verlieren war eine Katastrophe." Und tatsächlich gehörten Stift und ein veritabler Vorrat an alltagstauglichen Notizbüchern zu seiner unentbehrlichen Grundausstattung.

 

Chatwin starb im Jahr des Mauerendes, der alles veränderte, ja vieles auf den Kopf stellte. So manchem wird vielleicht erst durch die vielen aktuellen Feierlichkeiten und TV-Filme anlässlich des 25. Jahrestages des  Berliner Mauerfalls, was sich damals eigentlich ereignet hat.

 

Und noch deutlicher dämmert es vielen Zeitgenossen, wie umfassend sich eigentlich das Leben und seine Begleitumstände in diesem Vierteljahrhundert bis heute verändert haben. Wir leben in einem Zustand dauerhafter Rastlosigkeit.

 

Geschwindigkeit ist die globale Informationswährung, die Wirtschaftsgroßräume von Dollar und Euro übertrumpfend. Smartphone, Tablet, Phablet oder Notebook sind die stets griffbereiten Gefährten der

 

Kommunikations- und Unterhaltungselektronik, um Ideen, Skizzen oder Termine via Touch und Scrawlen entgegenzunehmen und zunehmend in der Cloud zwischenzulagern. Passwort-geschützt, versteht sich, sofern das Internet funktioniert …


Fürwahr eine übermächtige Phalanx an Gegnern für das kleine Schwarze und seine farbenfrohen Ableger. Und dennoch: die handlichen Tagebücher, Notizbücher, Kladden und Hefte sind nicht unter unseren Händen wegzudenken.

 

Die Sortimente der Warenhäuser, Schreibwarengeschäfte, Papeterien und Geschenkeläden legen ein beredtes Zeugnis ab von der nicht endenden Modernität dieser kulturellen Errungenschaft.

 

Felsen in der Brandung der Zeiten

 

Es gibt sie also, die Nachfrage nach den willigen kleinen Helfern für unsere Einfälle und wichtige Notate. Und damit auch einen Markt.

 

Sagt einer, der es wissen muss: Thomas Kirschmeier, seines Zeichens Kommunikationsleiter und Pressesprecher des Rheingold Institutes. Die Kölner haben sich der Marktforschung verschrieben und beobachten auch in einer


 

 

durchdigitalisierten Welt ein erstaunliches Beharrungs-vermögen der analogen Welt.

Der vom US-amerikanischen Trend- und Zukunftsforscher John Naisbitt bereits 1982 in seinem Buch “Megatrends” prognostizierte High-Tech-High-Touch trifft natürlich gerade auch  für klassische haptische Produkte wie Kalender und Notizbücher zu: ein unveränderlicher Gegenentwurf zur intagiblen Datenwelt. "Das ist eine Beruhigung des Alltags und führt zu einer geistigen Entschleunigung. Das wird gerne angenommen."

 

Das gilt für die Welt der Konsumenten wie auch für das B2B. Innehalten, verschnaufen. Die zunehmende Wiederentdeckung der Analogwelten hat auch mit dem Wunsch nach Entschleunigung zu tun.

 

Die Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag der Berliner Mauer sind daher auch eine Art von kollektivem Innehalten. Momente, die es wert sind, festgehalten zu werden in Tage- und Skizzenbüchern. Ganz so, wie es Bruce Chatwin mit diesen Momenten gehalten hat, bevor er gemeinsam mit der Berliner Mauer aus unserem Leben getreten ist.

 

 

Autor: Sabine Wegner

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