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Schriftarten gibt es wie Sand am Meer, doch einige unter ihnen genießen einen Sonderstatus. Den Computer-Font Calibri kennt beispielsweise jeder, der während der letzten Jahre mit einem Windows-PC gearbeitet hat - seit Microsoft Office 2007 ist er der voreingestellte Standard.

 

Zuvor gab allerdings jahrzehntelang eine andere Schriftart den Ton an: Times New Roman. Am 3. Oktober 1932 erstmals in der britischen Zeitung The Times abgedruckt, gehört der klassische Font zu den echten Evergreens. Er war über 40 Jahre lang im Einsatz und wurde erst im Zuge drastisch veränderter Druckbedingungen ausgetauscht.

 

Die weite Verbreitung dieser Standardschriftart ist auf zwei Dinge zurückzuführen: Zunächst konnte beinahe jede Druckerei mit ihr dienen. Das lag wiederum an der Vielfältigkeit des Fonts. Sonderzeichen, kyrillische Schriftzeichen, mathematische und chemische Formeln - Times New Roman ist für alle Fälle gewappnet.

 

Später entdeckte auch die Computerbranche die althergebrachte Schriftart und sowohl Microsoft als auch Adobe und Apple trugen zur Popularität des Fonts bei, indem Times New Roman zum Bestandteil wichtiger und großer Software-Pakete wurde, die sich nicht nur sehr lange, sondern auch sehr nachhaltig verkauften.



Schriftarten

- ein emotionaler Trigger

 

Eine Schriftart dient nicht nur der bloßen Veranschaulichung eines Textes, sondern sie hat auch einen Einfluss darauf, wie wir den Text lesen. So werden im Verkehrsbereich üblicherweise sogenannte Grotesken verwendet,

 

also Schriftarten, die zu Beginn ihrer Benutzung zwar als sonderbar, aber durchaus reizvoll empfunden wurden.

 

Grotesken sind relativ einfach gestaltet und auf Bildschirmen gut darstellbar. Ihre Einfachheit liegt am Verzicht auf sogenannte Serifen, also auf kleine Schnörkel, die einen Buchstabenstrich am Ende quer zu seiner Grundrichtung abschließen. Dieser Verzicht spiegelt sich auch in der geläufigsten Bezeichnung der Grotesken wieder: "Sans Serif".

 

Die Literatur setzt hingegen auf ausgestaltete Schriftarten, wie zum Beispiel Garamond oder Renaissance-Antiqua. Erstere ist sogar die am häufigsten im Buchdruck verwendete Schriftart und findet bereits seit dem 16. Jahrhundert Verwendung, nachdem sie von Claude Garamond entwickelt wurde.

 

Auch der Font Comic Sans dürfte jedem Windows-Nutzer ein Begriff sein, gehört er doch spätestens seit Windows '95 zu den Klassikern unter den kindlichen Schriftarten. Wer Ende der 1990er Jahre eine ausgedruckte Einladung zum Kindergeburtstag verschicken wollte, kam an dieser Schriftart kaum vorbei.

 

Unter Profis ist die Schriftart heute allerdings verpönt. Sie sei zu naheliegend, zu verbraucht und werde oftmals unverhältnismäßig benutzt, beispielsweise für geschäftliche Briefe. Windows hält allerdings an dem Font fest und hat ihn für das neue Betriebssystem Windows 8 sogar noch einmal überarbeitet.

 

 

Das Auge liest mit

 

Schriftarten können die unterschiedlichsten Zwecke erfüllen. Sollen sie vor allem

Kinder zum Lesen animieren?  Handelt es sich um ein offizielles Dokument oder um einen Roman?Soll der Font eine ganz bestimmte Zielgruppe umwerben? Jeden Tag stolpern wir über unzählige Verwendungsformen.

 

Welch großen Einfluss eine geeignete Schriftart auf den Leser haben kann, beweist ein Experiment von US-Psychologe Kevin Larson, der 20 Probanden mit einer Ausgabe des New Yorker bestückte.

 

Zehn Exemplare waren schlecht konzipiert und layoutet, während sich die anderen zehn durch ihr formschönes Design auszeichneten.

 

Das Ergebnis überrascht nicht: Leser, die mit einem schlechten Layout und unpassenden Schriftarten konfrontiert werden, fühlen sich beim Lesen schlecht, brauchten mehr Zeit zum Lesen und zogen deutlich weniger Inspiration aus dem Magazin. Selbst im Gehirn konnten die negativen Emotionen nachgewiesen werden.

 

Vor allem der Druck lebt also von formschönen Schriftarten. Ist uns das geschriebene Wort auf Anhieb unsympathisch, wühlt es uns auf. Zur Vermeidung von Einbußen im Lesegenuss gehört also nicht nur hochwertiges und haptisch wertvolles Papier.

 

Ob Bücher, Zeitschriften oder Werbekalender: Auch unsere Augen wollen nach allen Regeln der Kunst verwöhnt werden, nicht nur durch Bilder. Die Wahl der Schrift spricht ein entscheidendes Wörtchen mit. Ob ein klassischer Standard oder ein kreativer Design-Font die richtige Wahl ist, hängt dabei ganz vom Leser und vom Inhalt des Textes ab.

 

Autorin: Sabine Wegner

 

 

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