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Kahle Bäume, gefüllte Teekannen, Weihnachten mit dem einen oder anderen Buch unterm Tannenbaum ist Geschichte: Gibt es eine schönere Jahreszeit für Bücherwürmer? Wohl kaum.

 

Kein Wunder also, dass die Frankfurter Buchmesse jedes Jahr die Gunst der einbrechenden Gemütlichkeit nutzt, um die Bestseller von morgen anzupreisen. Auffallend war dabei auch im letzten Herbst vor allem eines: Der Abgesang auf den Werkstoff Papier kam deutlich zu früh.

 

Dabei sah es vor einigen Jahren noch ganz anders aus: eBook-Verkaufszahlen mit 1260-prozentigem Wachstum, Buchläden vor dem Aus und furchtblasse Autoren dominierten zwischen 2008 und 2010 weite Kreise des Buchmarktes.

 

Doch auf halber Strecke gab es einen Knick: Die totgesagte haptischen Bücher feierten ein Comeback, die Verkaufszahlen begannen sich bis heute zu erholen.

 

Das liegt nicht nur daran, dass ältere, auf digitalen Konsum umgestiegene Leseratten zum Print zurückfanden – auch die Jugend kann sich nach wie vor für gedruckten und greifbaren Lesestoff begeistern.

 

So haben Anbieter wie Spotify und Netflix zwar längst den Musik- und Fernsehmarkt umgewälzt, das haptisch befriedigende Durchblättern eines Buches aus

 

 

Papier lässt sich aber offenbar nicht digital ersetzen.


Buchhandel zeigt Kreativität

 

Doch nicht nur das: Die Branche wurde angesichts der drohenden digitalen Gefahr kreativ. So zum Beispiel der US-amerikanische Penguin Random House -Verlag, der eine eigene Datenbank entwickelte, um möglichst genau auf die Verkaufszahlen der Einzelhändler reagieren zu können.

 

Das Warenwirtschaftssystem wird den größten Kunden zur Verfügung gestellt, zeichnet tagtäglich etwa 10 Millionen Verkaufsdaten auf und gibt auf der errechneten Grundlage Empfehlungen für die nächste Warenbestellung.

 

Auf diese Weise können Einzelhändler mit einem der Trümpfe punkten, der sie vom Onlinehandel abhebt: mit direkter Verfügbarkeit. Dazu ist es unabdingbar, dass der gewünschte Titel tatsächlich vorrätig ist.

 

Die Zeiten des Bestellens und Abholens sind schließlich seit mindestens fünf Jahren vorbei. Wer bestellt, möchte beliefert werden. Oder um es mit den Worten des Penguin-Geschäftsführers Markus Dohle zu sagen: „It’s a very simple thing; only books that are on the shelves can be sold.“

 

Haptische Bücher
und ihre Renaissance

 

Schlussendlich ist der Buchmarkt

 

anderen Märkten ähnlich: News Finished Product-Bereich nichts mehr verloren. So sind Reiseführer meist bereits nach einem Jahr nicht mehr aktuell, Lexika verlieren unmittelbar nach dem Druck ihre Gültigkeit. Bestimmte Medien leben im 21. Jahrhundert von der Interaktivität und lassen keine Stagnation mehr zu.

 

Punkten können haptische Bücher vor allem mit Wertigkeit und Zeitlosigkeit: haptisch ansprechende Buchumschläge, wohlriechendes und raues Papier und ein überzeugendes Gesamtbild schmücken jedes Buchregal und lassen die digitalen Gegenspieler älter aussehen als das Sortiment eines jeden Antiquariats.

 

Was bleibt, ist die Frage nach der Zukunft. Erleben eBook-Reader einen zweiten Frühling? Lesen künftige Generationen ohnehin nur noch auf dem Smartphone? Lassen wir uns zukünftig alles vorlesen und kaufen Hörbücher?

 

Oder entscheiden wir uns nunmehr wieder bewusster für unsere Sinnlichkeit und genießen die Berührung der haptischen Bücher? Arsen Kashkashian, seines Zeichens Einkäufer des Boulder Book Stores in Boulder, Colorado, sagte der New York Times: „We’ve seen people coming back. They were reading more on their Kindle and now they’re not, or they’re reading both ways.”

 

 

Autor: Richard Kastner

 

 

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