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Es gibt Menschen, für die ein Leben ohne Notizbuch unvorstellbar ist. Sie hegen und pflegen Notizbücher als Gedankenstütze, als treue und geduldige Wegbegleiter, als Sammelbecken für Ideen.

 

Bei ihrem Alter verhält es sich wie mit einem guten Wein: je älter, desto besser. Als Fortsetzungsar-chiv für Erlebnisse, Erfahrungen, Reflexionen und Pläne reifen sie mit den Jahren zu einem biographischen Anker, auf den im Zweifelsfall mehr Verlass ist als auf das Erinnerungsvermögen des Gehirns.

 

Eine Tatsache, die längst wissenschaftlich belegt ist und die wir alle schon aus der Alltagserfah-rung kennen: Man denke z.B. an das letzte Klassentreffen oder Familienfeiern, bei denen Erlebnisse aus der Vergangenheit heraufbeschworen werden – und (fast) jeder hat eine eigene Version.

 

Geistesblitze festhalten

 

Jeder kennt diese Situation: Ein Gedanke blitzt kurzfristig auf, hängt für einige Sekunden wie an einem seidenen Faden und schon ist er wieder verschwunden. Im Nachhinein ärgert man sich, dass man die gute Idee nicht beim Schopf gepackt und zu Papier gebracht hat.

 

So dürfte es auch Leonardo da Vinci und Albert Einstein manchmal ergangen sein, denn diese beiden hellen Köpfe pflegten eine innige Beziehung zu ihren Schreibbüchern. Ideen, Beobach-tungen, Eingebungen, Theorien oder einfache Gedanken wurden in ihnen festgehalten – nicht nur für Einstein und da Vinci selbst, sondern auch für ihre Nachwelt.

 

 

Notizbücher als
Outsourcing für Gedanken

 

Für Außenstehende mögen die Notizen zwar wirr erscheinen, folgen doch große auf kleine Zeichnungen, Satzschnipsel auf lange Texte und Skizzen auf ausgestaltete Bilder. Für den Eigentümer sind sie aber eine fassbare Erweiterung seiner selbst – nicht zuletzt eine Entlastung für das Gedächtnis.

 

Dieses externe Gedächtnis dient mitnichten nur dem Erfassen flüchtiger Eingebungen, sondern es kann uns auch von Ballast befreien. Durchleben wir beispielsweise eine Phase, in der es uns nicht so gut geht, ist es hilfreich, die schlechten Gedanken auf Papier zu bannen, sie in ein Notizbuch einzusperren und auszulagern – nachdem wir uns handschriftlich mit ihnen auseinandergesetzt haben.

 

Wertvoller Zwischenspeicher

 

So sorgen Notizbücher als Gedankenstütze nicht nur für den Erhalt wertvoller Eingebungen, sondern auch für Freiheit und Klarheit im Kopf. Statt viele Gedankenfäden marionettenartig miteinander zu orchestrieren und sie mit viel Aufwand beieinander zu halten, ermöglicht ein Notizbuch die Verschiebung in eine Art Zwischenspeicher.

 

Ein Notizbuch, das auf dem heimischen Schreibtisch versauert, bringt seinem Nutzer in der Regel wenig – zumindest dann, wenn es darum geht, kurzfristige Gedankengänge festzuhalten. Zwar kann man sich vornehmen, dass man die Ideen „gleich zu Hause“ notiert, hat sie bis dahin aber meistens schon wieder vergessen.

 

Notizbücher – zwischen Nostalgie und Notwendigkeit

 

Notizzettel können zwar auch eine Hilfe sein, enden aber häufig im Chaos. Zwar lassen sie sich besser ordnen und kategorisieren, als es bei den Seiten eines Notizbuchs der Fall ist. Eine richtige Zettelwirt-schaft gerät allerdings schnell außer Kontrolle und wichtige Informationen gehen in dem Wust möglicherweise verloren.

 

Natürlich haben auch kleine Notizfetzen etwas für sich und können mitunter große Dinge bewirken. So sind nicht nur viele Erfindungen und philosophische Texte das Ergebnis derartiger Sammelsurien. Nein, auch der weltweite Romanerfolg um den Zauberlehrling Harry Potter begann auf einer stinknormalen Serviette.

 

In Zeiten der Mobilgeräte und Smartphones neigt manch einer natürlich dazu, auch seine  Gedanken den technischen Helfern zu überlassen. Doch wenn es um private Notizen geht, greifen wir ungern auf die modernen Möglichkeiten zurück, denn Technik wirkt oft kühl und unpersönlich. Die Software dahinter ist für die meisten, Digital Natives eingeschlossen, zudem unbekanntes Terrain und neben der Flüchtigkeit digitaler Daten kein Faktor, der Vertrauen stiftet.

 

Auch der Hauch von Nostalgie, der ein aufwendig gebundenes Notizbuch umgibt, wirkt wie ein Magnet. So lässt selbst die Jugend ihr Smartphone links liegen, wenn es um das Gefühl von Papier auf der Haut geht, die Seiten zu rascheln beginnen und der Duft des Papiers den Geist anregt. Und noch ein gravierender Vorteil wirbt für die haptischen Werbeträger aus Papier: Big Brother schaut garantiert nicht zu.

 

Autor: Richard Kastner

 

 

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