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Mit diesem Blog möchten wir das Bewusstsein dafür wecken, wie wichtig Gedächtnisstützen in Form von haptischen Instrumenten wie z.B. Kalender und Notizbücher für uns sind. Denn ihre Reminderfunktion geht weit darüber hinaus, Termine festzuhalten, den nächsten Feiertag zu suchen oder während eines Meetings ein paar Stichpunkte aufzuschreiben.

 

Das Streben nach unverwechselbarer Persönlichkeit

 

Wer bin ich? Was unterscheidet mich von anderen? Worauf gründet meine Einzigartigkeit? Das Konzept, jeden Menschen als Individuum zu betrachten, zählt sozialgeschichtlich zu den jüngeren Entwicklungen.

 

Bis ins Mittelalter herrschte die Auffassung vor, dass jeder nur ein Vertreter seines Standes ist – sein Schicksal, gelenkt von göttlicher Hand. Als Geburtsstunde des modernen Individuums, geprägt von subjektivem Denken und Handeln, gilt die Renaissance.

 

Getragen wurde die philosophische Revolution vom Emanzipationsbestreben des Bürgertums, dessen aufklärerischer Geist auf dem Nährboden des Humanismus gedieh. Das neue Konzept trat sukzessive und inklusive diverser Rückschläge seinen Siegeszug, insbesondere durch die westlichen Gesellschaften an.

 

Mit der Codierung als Metatrend hat der Individualismus im 21. Jahrhundert seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Gleichzeitig wurde der Begriff weiter entwickelt. Er umfasst nicht nur die Erkenntnis, dass wir alle subjektiv agierende Einzelwesen sind, sondern auch das Streben nach einer unverwechselbaren Persönlichkeit.

 

Individualität unterm Mikroskop

 

Während metaphysisch orientierte Denker noch die einzigartige Seele des Menschen zum Kern seiner Individualität erklären konnten, stand und steht die Wissenschaft vor der Herausforderung, handfeste Beweise für die Existenz exklusiver Einzelwesen zu erbringen.

 

Das Portfolio der Charaktereigen-schaften kennen wir aus der Lebenspraxis als überschaubar,

 

 

 

Psychologen kategorisieren uns sogar in nur wenige Grundtypen.

 

Zu den überindividuellen Einflüssen zählen zeitspezifische, kulturbedingte, milieutypische Prägungsmuster, die uns von Kindesbeinen an begleiten.

 

Kennen Sie Ihren Doppelgänger?

 

Mit der Entschlüsselung des menschlichen Genoms im Jahr 2001 bekam auch dieses Differenzierungsmerkmal Risse. Rein rechnerisch betrachtet sind bei einem Pool von 23.686 Genen  Duplikate vorprogrammiert.

 

Allerdings hielt sich das aufkeimende Jagdfieber nach dem eigenen Doppelgänger  in Grenzen.

 

Nicht wirklich verwunderlich, wenn das Selbstwertgefühl auf dem Bewusstsein gründet, etwas ganz Besonderes zu sein. Wer will schon in der Masse untergehen? Der Selfie-Hype spricht Bände. Kalender und  Notizbücher nehmen in diesem Zusammenhang die Bedeutung von haptischen Selfies an als Teil der eigenen Persönlichkeit.

 

Biographie als
individueller Anker

 

Was auch aus sozialwissenschaftlicher Sicht bleibt, um sich als einmaliges Individuum abzugrenzen, ist die jeweils spezifische Biographie. Denn keine Lebensgeschichte ist deckungsgleich mit der eines anderen.

 

Damit rückt das Erinnerungsvermögen, ohne das wir jeden Tag zurück auf Start geworfen würden, als konstituierende Grundlage der Individualität in den Mittelpunkt. Aus Erinnerungen weben wir den roten Faden unserer Lebensgeschichte, die unsere Persönlichkeit wie ein individueller Anker zusammenhält. Dazu zählen auch die Notizen und Anmerkungen in unseren Kalendern und Notizbüchern. Auch sie sind Bestandteil unserer Individualität.

 

Das Netzwerk der Erinnerungen

 

Weder gibt es im Gehirn ein Headquarter für das Ich-Bewusstsein – bildlich gesprochen scheint es wie ein Orchester ohne Dirigent zu funktionieren – noch für all die Erinnerungen, die unsere

Identität und Gefühlswelt bestimmen.

 

Die Hirnforscher gehen von verschiedenen Gedächtnis-systemen aus. Dazu gehören u.a. das Kurz- und Langzeitgedächtnis, das autobiographische bzw. episodische Gedächtnis, das alles archiviert, was die persönliche Lebensgeschichte beinhaltet, das semantische Gedächtnis als Speicher für gelerntes Wissen, das prozedurale Gedächtnis, in dem z.B. Bewegungsabläufe vom Autofahren bis zum Schwimmen abgelegt sind.

 

Auf den Hirnscannern präsentiert sich ein komplexes, interaktives Netzwerk mit vielen Erinnerungsorten, die sich die Arbeit teilen und nach eigenen Regeln funktionieren.

 

Kein Archiv für die Ewigkeit

 

Das heißt, jede Gedächtnisleistung basiert auf komplexen Kettenreaktionen, an der viele Schaltstellen beteiligt sind. Erinnerungen entstehen, indem eine Vielzahl von Nervenzellen kombiniert wird bzw. gemeinsam feuert. Zum Beispiel ein Sonnenuntergang am Meer entspricht einem Erlebnispäckchen aus spezifischen Farben, Bewegungen, Formen, Düften, Tönen – sensorische Signale, die an unterschiedlichen Stellen des Gehirns verarbeitet und auch gespeichert werden, indem sie vernetzte Muster im Gehirn bilden.

 

Kein Archiv für die Ewigkeit, wie der Gedächtnisforscher Daniel Schacter von der Harvard-Universität Boston betont, sondern ein flexibles Netzwerk, das sich mit jeder neuen Erfahrung ändern kann.

 

Bedeutung des Gedächtnis

 

Die existenzielle Bedeutung des Gedächtnis resümiert Schacter so: „Alles, was uns ausmacht – Sprache, Denken, Kultur oder Erkenntnis –, beruht auf der Fähigkeit, Erinnerungen abzuspeichern und abzurufen.“

 

Sie ahnen schon, welch wichtige Funktion Erinnerungsstücke und -stützen wie beispielweise Kalender und Notizbücher vor diesem Hintergrund für die individuelle Entwicklung des Menschen haben. In der Fortsetzung dieses Blogs erfahren Sie mehr.

 

Autor: Richard Kastner

 

 

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