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Pflanzen zu streicheln, um sie zum Wachstum anzuregen, ist seit jeher von einem esoterischen Nebel eingehüllt, der sich lange Zeit nicht gegen handfeste Pestizide und sonstige chemische Hilfsmittel zu behaupten wusste. Dass Pflanzen auf Berührung reagieren, ist allerdings seit den 1970er Jahren wissenschaftlich erwiesen.

 

So wissen die sensiblen Lebewesen ganz genau, ob gerade der Wind bläst, ob es regnet oder ob eine Kuhherde über sie hinweg trampelt. Mit Esoterik hat das nichts zu tun, sondern mit biologischen Vorgängen, ob nun bei der Venus-Fliegenfalle, die sich ihre zappelnde Beute schnappt oder die Mimose, die sich zusammenklappt, sobald man sie berührt.

 

Auch Theo Lange, seines Zeichens Biologe an der Technischen Universität in Braunschweig, ist kein Esoteriker. Nichtsdestotrotz glaubt er an das haptische Empfinden von Pflanzen.

 

Sogar so sehr, dass er es zum Gegenstand seiner Forschung machte und gemeinsam mit seiner Frau Maria Pimenta Lange das verantwortliche Gen entdeckte.

 

 

Klein aber oho - Stabilität statt Übergröße

 

Es trägt den Namen AtGA2ox7 und produziert ein wachstums-hemmendes Enzym. Dadurch

 

bleiben die Pflanzen zwar kleiner, wenn man sie regelmäßig berührt. Sie werden aber auch robuster und weniger anfällig für Pilze, Bakterien, Salz und Viren. So ist ein wettergeplagter Baum vielleicht nicht der schönste, bestimmt aber der stabilste in seinen Reihen.

Diese Erkenntnisse bieten ungeahnte Möglichkeiten für die Land- und die Papierwirtschaft, um Schädlinge zu vermeiden und Erträge zu erhöhen.

 

Unklar ist bis dato allerdings, welche Art von Berührung Pflanzen wahrnehmen und ob sie auf Bewegung, Druck oder eine Kombination aus beidem reagieren. Das wollen die Forscher nun herausfinden.

 

In Japan gehört die Berührung von Pflanzen zu den alteingesessenen Methoden, um Ernten zu steigern. Mangels englischsprachiger Übersetzungen der entsprechenden Forschungen kam das Wissen aber erst spät im Westen an. So kann die westliche Landwirtschaft erst seit September 2014 von der Haptik der Pflanzen profitieren.

 

Auch Pflanzen sind multisensorische Wesen und reagieren nicht nur auf Licht, Temperatur und Schwerkraft, sondern auch auf regelmäßige Berührung durch

 

Tiere oder Menschen. Zimmerpflanzen zu streicheln ist

daher keine Marotte, sondern ein sinnvoller Beitrag zu ihrer Stärkung.

 

 

Haptische Pflanzen in der Land- und Papierwirtschaft

 

Nun ist das tägliche Streicheln der eigenen Feldfrüchte natürlich mit einem Zeitaufwand verbunden, den nicht jeder Landwirt bewerkstelligen kann. Abhilfe schafft eine Entwicklung der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Heidelberg. Dort wurde ein umgebauter Gießwagen erfunden, der die Gewächse 80-mal pro Tag durchpustet.

 

Diese Methode ist auch für Bio-Zierpflanzen geeignet, die zwar auf engem Raum angebaut werden müssen, aber ruhig wachsen dürfen, sobald der Kunde sie in einen Blumentopf gepflanzt hat. Das Verfahren soll nun mit der Universität Hohenheim optimiert werden, um dies zu ermöglichen.

 

Wenn sich diese Erkenntnisse in großem Stil auf die Papierindustrie übertragen ließen, ginge das mit einer Absage an Pestizide und Pilzbefall einher.

 

Die Bäume würden robuster, ganze Bestände könnten gesichert werden. Ist das alte Bild des Baumschmusers also gar nicht so weit hergeholt, wie es im ersten Moment klingt? Die Wissenschaft sagt: Ja!

 

Autorin: Sabine Wegner

 

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