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Das Empfangen eines Briefes ist mit ganz eigenen Glücksgefühlen verbunden: das Rascheln beim Auseinanderfalten der Nachricht, die Haptik des vielleicht angerauten Papiers, die geschwungene Handschrift des Absenders. Briefe übermitteln nicht nur Nachrichten, sondern auch haptische Codes. Sie wecken Emotionen, lassen uns mit der Nachricht verschmelzen - und öffnen möglicherweise sogar ein Tor in die Vergangenheit.

 

In Zeiten, in der jede Minute Millionen von Reizen auf uns einprasseln, kann das andächtige Lesen eines handgeschriebenen Briefes eine echte Wohltat sein. Keine Klingeltöne, kein Zwang zur unmittelbaren Antwort, keine grellen Bildschirme - was vor 100 Jahren noch absolut üblich war, hat heute Seltenheitswert.

 

Die Veränderung der Kommunikation beeinflusst nicht nur unser berufliches Leben, sondern auch unser privates. Eine WhatsApp-Nachricht hier, ein "Gefällt mir" dort... Wir sind der Informationsflut während des gesamten Tages hilflos ausgesetzt.

 

Besonders zeitraubend: E-Mails. Auch hier lässt sich ein direkter Bezug zur althergebrachten Briefpost herstellen. War es in vergangenen Tagen nämlich noch gang und gäbe, nur dann einen Brief zu schreiben, wenn der Inhalt wirklich von Belang war, so unterbietet die Schreibdauer einer E-Mail meistens den Zeitaufwand einer eigenen Recherche. Wieso sollten wir uns also eigenständig auf die Suche nach Informationen begeben, wenn wir stattdessen eine Mail schreiben und das eigene Problem einfach "outsourcen" können?

 

 

Papier schafft Konzentration

 

Auch unsere Sinne bedanken sich für einen haptisch wertvollen,

 

 

handgeschriebenen Brief, denn E-Mails bedienen nur unseren visuellen Sinn, während traditionelle Briefpost auch unseren Tastsinn anspricht. Dadurch nehmen wir das Gelesene multisensorisch auf, was wie ein Multiplikator wirkt. Wir begreifen die Nachricht im wahrsten Sinne des Wortes.

 

Ähnlich verhält es sich mit Zeitschriften. Printartikel bleiben durch ihren sinnlichen Charakter sehr viel länger im Gedächtnis haften, als es bei digitalen Informationen der Fall ist. Das liegt einerseits daran, dass Zeitschriften und Tageszeitungen haptische Codes an unser Gehirn senden, andererseits aber auch an unserem neuen Kommunikationsverhalten.

 

Multitasking - ein Mythos

 

Ein Printmagazin fordert unsere volle Aufmerksamkeit und wir sind eher geneigt, uns auf ihren Inhalt zu konzentrieren. Sitzen wir allerdings am Notebook, lassen wir uns leicht von allgegenwärtigen Ablenkungen verführen. Es ist schließlich effizienter, wenn wir beim Lesen eines Online-Artikels auch noch unsere E-Mails checken, Kaffee kochen und den Facebook-Newsfeed durchscrollen.

 

Dabei ist Multitasking nichts weiter als eine Illusion und treibt unser Gehirn regelrecht in den Wahnsinn. Wir erledigen nämlich de facto nicht mehrere Aufgaben zur gleichen Zeit, sondern wir schwingen uns in einem Wahnsinnstempo von Tätigkeit zu Tätigkeit. Das sorgt dafür, dass unser Gehirn zwischen verschiedenen Arealen hin- und herschaltet.

 

Schlimmstenfalls können die Informationen sogar in der falschen Abteilung unserer Denkzentrale landen. Lernen Studenten beispielsweise für ihre nächste Klausur, während der Fernseher läuft, so wird dabei das

falsche Gehirnareal aktiviert. Die erlernten Informationen landen nicht in unserem Wissensspeicher, sondern in unserem Sammelsurium an erlernten Tätigkeiten. Da sie dort aber fehl am Platz sind, werden sie schnell wieder aussortiert.

 

Papier berührt uns

 

Glücklicherweise hat der technologische Wandel auch eine Gegenbewegung zur Folge. So feiert nicht nur die Schallplatte aus Vinyl ein berauschendes Comeback, sondern auch das bedruckte Papier. Aktuelle Printmagazine gibt es reichlich und sie alle haben gemein, dass sie auf Entschleunigung, hochwertiges Papier und Liebe zum Detail setzen.

 

Das weiß auch Sebastian Haupt, Forscher und Berater bei der Touchmore GmbH - einer Agentur für haptische Verkaufsförderung. So sei die Entwicklung logisch: Wer täglich von monoton klingenden Tastaturen, in Neonlicht getauchten Büros und standardisierter Büroeinrichtung umgeben ist, lechzt nach Berührung, Greifbarkeit, Wärme, Abwechslung und Nähe.

 

Papier spendet Geborgenheit. In Zeiten der Reizüberflutung tun wir gut daran, auf unseren Tastsinn zu setzen und das geschriebene Wort zu einem Erlebnis zu gestalten, das all unsere Sinne einbezieht.

 

Hier liegt tatsächliche Effizienz begraben: Papier öffnet Gedankenwelten und jeder Griff weckt  Emotion. Schlussendlich nicht nur bei potentiellen Käufern, sondern auch bei uns selbst.

 

Autorin: Sabine Wegner

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