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Schaut man sich in den Hörsälen des 21. Jahrhunderts um, so sieht man vor allem drei Dinge: Studenten, Laptops und Smartphones. Studenten, weil sie dort sein müssen, Laptops, weil die Studenten Mitschriften anfertigen sollten und Smartphones, weil sie das nicht wollen.

 

Wer seinen inneren Schweinehund entgegen jeder Regel zu überwinden vermag, zieht meist den Laptop einem Schreibblock aus Papier vor. Schließlich schreibt es sich am Computer nicht nur schneller und sauberer, sondern die Notizen lassen sich zudem leichter nachbearbeiten.

 

Die digitale Mitschrift bringt aber auch einen eklatanten Nachteil mit sich. Dies haben nun die zwei amerikanischen Psychologen Pam A. Mueller von der Princeton University und Daniel M. Oppenheimer von der University of California in Los Angeles nachgewiesen.

 

Mit Laptop ist man schneller

 

Der Versuchsaufbau der Studie zum Mitschreiben im Hörsaal: Mueller und Oppenheimer spielten verschiedenen Studenten Talk-Videos von der Online-Plattform TED vor. Die einen schrieben per Laptop mit, die anderen machten

sich handschriftliche Notizen. Das Ergebnis: Die Studenten mit Laptop hatten zum Schluss wesentlich mehr Wörter mitgetippt.

 

Wer nun aber einen Sieg der Digitalisierung wittert, ist auf dem Holzweg. Zwar hatten die digitalorientierten Studenten mehr niedergeschrieben. Die beiden US-Forscher stellten aber fest, dass sie meist nichts anderes gemacht hatten, als die Rede möglichst wörtlich einzutippen.

 

Hier ist die handschriftliche Dokumentation klar im Vorteil. Dadurch, dass es nahezu unmöglich ist, eine gesprochene Rede per Hand mitzuschreiben, waren die altmodischeren Studenten nämlich dazu gezwungen, sich noch während der Rede mit ihrem Inhalt auseinanderzusetzen.

 

Welche Aussagen des Redners sind besonders wichtig? Auf welche Kernaussagen möchte er hinaus? Wie kann ich die letzten zwei Minuten in ein bis zwei Sätzen zusammenfassen? Solche Fragen müssen sich die Laptop-Liebhaber gar nicht erst stellen, können sie doch einfach die vollständige Rede abschreiben und sich später Gedanken dazu machen. Doch tun sie das auch wirklich?

 

 

Besser lernen dank Handschrift

 

Mueller und Oppenheimer teilen das Schreiben in zwei Kategorien ein, nämlich in generatives und nongeneratives Mitschreiben. Die erste Variante bezeichnen die Forscher auch als „fruchtbares Mitschreiben“, da es das „Zusammenfassen, Umformulieren und Einordnen“ beinhaltet.

 

Variante Nummer zwei stehe hingegen für die bloße Reproduktion des Gehörten. Großartige Lernerfolge bleiben dabei aus, weil wir unser Gehirn während des Abschreibens auf eine Art Autopilot schalten, der weder filtert, noch umformuliert, noch ergänzt. Es gibt also gute Gründe, mit der Hand zu schreiben.

 

Besonders interessant: Die Fakten konnten sich beide Gruppen gleich gut merken. Die Spreu trennte sich erst bei der Einordnung vom Weizen, denn hier schnitten die Laptop-Nutzer schlechter ab. Selbst dann, als die Forscher sie darum baten, nicht wörtlich mitzuschreiben, sondern während des Schreibens umzuformulieren. Zu verlockend war die digitale Möglichkeit, es doch zu tun.

 

 

Autor: Richard Kastner

 

 

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