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Zurück in die Zukunft: Der digitale Hype, der immer mehr Produkt- und Lebenswelten in unfassbare Sphären verlagert, stößt in den letzten Jahren zusehends an natürliche Grenzen. Stattdessen floriert die neue Lust auf analoge Objekte und Papierprodukte.

 

Einer der Kerngründe: Die Fähigkeit, sich in abstrakten Dimensionen zu bewegen und sie zu reflektieren, gehört zu den jüngsten Entwicklungen der menschlichen Denkzentrale. Der weitaus größere Teil des Gehirns ist archaisch fundiert und regiert uns bis heute.

 

Als Wesen, die die Welt primär über ihre Sinne wahrnehmen, decodieren wir jedes sensorische Signal schon unbewusst: relevant oder nicht? Sinnliche Reize, die keine Emotion wecken, verschwinden sang- und klanglos in den kosmischen Weiten des Unbewussten.

 

Existenziell für die Gefühlswelt

 

Nur wenige, implizit herausgefilterte Signale landen auf dem bewussten Radar, der meist die emotionale Vor-Entscheidung des unbewussten Systems übernimmt.

 

Der haptische Sinneskomplex – von Berührungsempfindungen bis hin zu motorischen Mustern – ist dabei existenziell für die Gefühlswelt, das Realitäts- und Wahrheitsempfinden. Wir lernen die Statistik der Umwelt, indem wir sie sinnlich erfahren, erfassen, begreifen, handhaben.

 

Schick, Dinge zu besitzen

 

Ein uraltes Erbe ist auch unsere Lust an Besitz. Kaum ist ein begehrtes Objekt in Sichtweite, meldet sich der unwiderstehliche Drang, es in persönliches Eigentum zu überführen. Attraktive Papierprodukte sind davon nicht ausgenommen.

 

Trotz digitaler Hochkonjunktur gilt es bei den jungen Generationen mittlerweile sogar als schick, Dinge zu besitzen. Trend trifft Gegentrend. Wie André Boße in

seinem lesenswerten Essay „Analoge Besitztümer“ berichtet, kommen die „schönen Dinge zum Anfassen“ nicht aus der Mode – im Gegenteil: Sie blühen und gedeihen, klettern seit Jahren kontinuierlich im Umsatz und erfassen immer mehr Bereiche.

 

Mit Fokus auf die ungebrochen begehrten Papierprodukte muss mal einmal mehr unterstreichen: Die Vision vom papierlosen Büro hat sich als Fehlprognose erwiesen. Ebenso die Voraussage, dass E-Reader gedruckte Bücher überflügeln würden. Stattdessen fallen die Umsätze mit digitalen Büchern, während das klassische Printformat wieder zulegt – vom Hardcover über das Taschenbuch bis zum Comic-Heft. Die Renaissance des wohl sortierten Bücherregals – schick, solche Dinge zu besitzen.

 

Orga-Produkte aus Papier

 

Auch die Begeisterung für Smartphone & Co. als All-in-one-Tools ist abgeebbt. Für konservative Kunden sind Kalender und Notizbücher nie aus der Mode gekommen – der deutsche Markt boomt.

 

Und die Digital Natives? Sie haben die Orga-Produkte aus Papier längst neu für sich entdeckt. Das Notizbuch ist zum kreativen Lifestyle-Objekt avanciert, High Tech-Unternehmen nutzen es auch gerne als Werbebotschafter.

 

Begehrte Papierprodukte wie Bildkalender als erschwingliche Kunstobjekte zur Verschönerung von Büro und Heim sind durch die digitale Konkurrenz per se nicht ersetzbar. Orga-Produkte aus Papier, allen voran Taschenkalender, Monatsplaner oder Familienkalender werden mindestens als Komplementärmedium geschätzt.

 

Die wachsende
Lust auf analoge Objekte

 

Aus sozialpsychologischer Perspektive spielt auch die grassierende Vintage-Kultur eine ausschlaggebende Rolle für die wachsende Lust auf analoge

 

 

Objekte – vom neuerlichen Boom der Sofortbildkameras über die wieder vorrückenden Vinylscheiben bis hin zum Handarbeitstrend.

 

Natürlich nutzt die junge Generation die Vorzüge der digitalen (Einkaufs)Welt, die meist bequem und schnell ans Ziel führt. Zugleich hat sie längst erkannt, dass die emotionalen Grundbedürfnisse im abstrakten Datenraum weitgehend auf der Strecke bleiben.

 

Wie Boße resümiert: „Anders als alte Bücher, Hörspielkassetten oder Fotoalben wecken diese Buchstaben- und Zahlenkombinationen keine Gefühle.“

 

Das impliziert auch, dass Objekte über ihre Funktionalität hinaus ideelle Werte verkörpern können. Sie destillieren Emotionen und rufen Erinnerungen wach.

 

Begehrte Papierprodukte

 

Ein spürbarer Vorzug, den auch die Liebhaber von begehrten Papierprodukten wie Notizbüchern und Kalendern unterstreichen. „Ich könnte meinen Kalender am Jahresende niemals wegwerfen, da könnte ich gleich meine gesammelten Erinnerungen auf die Müllkippe werfen“, heißt es in der Liebeserklärung einer jungen Autorin an ihren Papierkalender.

 

Ihre Argumente für den haptischen Planer umfassen u.a. seine Flexibilität im Einsatz als Notizwerkzeug, Tagebuch, Sammelmäppchen für Konzerttickets, Postkarten, Fotos ... Nicht zuletzt die Pluspunkte, den Alltag geordnet im Griff zu haben, ein ganzes Lebensjahr auf Papier skizzieren und Blatt für Blatt in Erinnerungen schwelgen zu können.

 

„Könnte ein Handy so viele Gefühle in sich tragen wie mein Kalender? Nein!“ Und damit trifft die Kalenderliebhaberin aus dem Nachwuchslager einen auch wissenschaftlich fundierten Kernaspekt, warum die Lust auf analoge Objekte weiter wächst.

 

Autor: Richard Kastner

 

 

 

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